Sunday, November 8, 1998

Semesterarbeit (Landwirtschaftsschule)

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In diesem Referat beschreibe ich meine Beobachtungen zu verschiedenen Strategien der Krankheitsbekämpfung sowie Erkenntnisse zur Mulchsaat bei Kartoffeln.
Doch zunächst ein paar Worte zu unserem Betrieb:
Wir bewirtschaften 41 ha Ackerland, wovon 30 ha zugepachtet sind, und 3,7 ha Wald. Um unsere 65 Zuchtsauen zu füttern benötigen wir jährlich etwa 18 ha an Getreidefläche, welche dieses Jahr mit 2 ha Sommergerste und 16 ha Wintergerste bestellt wurde. Etwa ein Hektar wird stillgelegt. Das restliche Ackerland dient dem Kartoffelanbau. Davon sind es ungefähr 12 ha Speise- und 10 ha Stärkekartoffeln. Die Stärkekartoffeln werden in einer Halle gelagert, die vor der Ernte auch als Lager für unsere 150 Holzkisten Verwendung findet. Die Speisekartoffeln werden komplett in Kisten gelagert, wo sie direkt vom Roder aus am Feld hineinkommen und in einer Scheune gestapelt werden. Wir bauen jede Art von Speisekartoffeln an. Für Chips, Pommes, festkochende sowie mehlige Sorten.

Maschinell sind wir bis auf einen Mähdrescher komplett ausgestattet. Wir nehmen also bis auf diese Ausnahme keine Lohnarbeit beziehungsweise Maschinenmiete in Anspruch.
Die gesamte Getreideernte wird in der - zu dieser Zeit leeren - Kartoffelscheune zwischengelagert. Dort kann man die Temperatur kontrollieren und wenn nötig mit dem Frontlader durch umschütten regulieren. Endgültig gelagert wird das Getreide dann zum Teil in einem Holzsilo und größtenteils auf dem Getreideboden. Der Rest (in diesem Jahr etwa 35t) wird verkauft. Zugekauft wird an Getreide Weizen oder Triticale und Mais.

Zu meinem Thema:
Wir entschieden uns auf 3 Flächen, auf denen Speisekartoffeln angebaut werden sollten, zur Mulchsaat. Als Bodenbearbeitungsgerät mußte auf eine Fräse zurückgegriffen werden, da mit einem Kultivator die Masse des Ölrettichs zum einen nicht sauber eingearbeitet, zum anderen nicht zerkleinert hätte werden können.
Die Dämme konnten gut geformt werden und der Vorteil der Mulchsaat war auch ersichtlich. Die zentimeterlangen Stücke des Ölrettichs sind kreuz und quer über und in den Dämme verteilt und werden dadurch zu einer richtigen "Bremse" für Wassermassen bei starkem Regen. Den praktischen Beweis für einen weiteren Vorteil konnten wir bereits vor ein paar Jahren erkennen. Während beim Feldnachbarn durch einen Platzregen die Krume verschlemmte und sich dadurch beim Roden der Klutenanteil stark erhöhte, ließ sich der "Mulchsaatacker" sehr gut sieben. Da es zudem eine Hanglage war, wurde natürlich auch die Erosion eingeschränkt.

Doch zurück zur Gegenwart - Um die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile der verschiedenen Strategien der Krankheitsbekämpfung ermitteln zu können, führte ich Proberodungen durch und berechnete mittels der Kosten für Spritzmittel und dem entstandenen Ertragsverlust bzw. Ertragsgewinn ein Resümee der jeweiligen Strategie.
Die unterschiedlichen Fungizide möchte ich unten kurz erklären um die Preisdifferenzen aufgrund deren umfassenderen bzw. geringeren Wirkungsspektren zu begründen.

Kontaktfungizide bilden auf der Oberfläche der mit Fungiziden in Berührung gekommenen Pflanzenteile einen Spritzbelag, der eine Sporenkeimung und damit eine Infektion verhindert. Bereits angegangene Infektionen können nicht mehr eliminiert, aber eine weitere Ausbreitung weitgehend vermieden werden. Neuzuwachs nach der Behandlung ist nicht geschützt.
Verwendet: Manex und Shirlan

Lokalsystemische Fungizide weisen neben der beschriebenen Wirkung der Kontaktfungizide noch den zusätzlichen Effekt auf, daß der lokalsystemische Wirkstoff in das behandelte Pflanzengewebe eindringt und dort den Pilz noch kurzzeitig nach erfolgter Infektion abtöten kann. Der Wirkstoff wird innerhalb der Pflanze aber nicht verlagert, so daß auch hier der Neuzuwachs nicht geschützt ist.
Verwendet: Acrobat Plus

Systemische Fungizide schützen auch den Neuzuwachs vor einer Infektion, da der systemische Wirkstoff innerhalb der Pflanze acropetal (nach oben) transportiert wird.
Verwendet: Tattoo
Kosten der Verwendeten Fungizide:
Tattoo 71 DM/ha
Acrobat Plus 63 DM/ha
Manex 25 DM/ha
Shirlan 43 DM/ha
Das erste Feld das ich für meine Versuche auswählte wurde am 1.4. mit Speisekartoffeln der Sorte Agria im Mulchsaatverfahren bepflanzt. In der 1. Juniwoche waren die Reihen geschlossen und aufgrund des sich anbahnenden schwülen Wetters entschieden wir uns am 8.Juni. zur ersten Spritzung zur Vorsorge der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans). Da man auch eine die Schadschwelle (15 Larven/Pflanze) überschreitende Kartoffelkäferlarvenplage erkennen konnte, mischten wir zu Tattoo das Präparat Mavrik mit dazu. Dies war auf allen Flächen bei der ersten Spritzung erforderlich. Ich legte auf diesem Schlag ein Spritzfenster und ein Versuchsfeld an. Das Versuchfeld spritzte ich am 10.6. mit Manex. Das diese erste Maßnahme nicht umsonst war, zeigte die darauffolgende Woche. Im Spritzfenster war bereits leichte Krautfäule zu erkennen. Das "Manexfenster" dagegen war nicht befallen, mußte jedoch am 17.6. bereits wieder behandelt werden, da dieses Kontaktmittel nur bis zu 8 Tage wirkt. Am 21.Juni. wurde das Feld mit Acrobat Plus behandelt und ein neues Spritzfenster angelegt. Das erste Fenster wurde dabei mitbehandelt um die Gefahr einer Braunfäuleinfektion einzudämmen. Diesmal war in der ersten Woche nach der Behandlung kein Anzeichen von Phytophthora zu erkennen. Bei der 3.Spritzung am 5.Juli. mit Manex waren aber bereits wieder erste Blätter im Spritzfenster mit Krautfäule-typischen Verbräunungen identifizierbar. Deshalb machte ich erneut ein Spritzfenster. Auf diese Infektion reagierten wir am 5.7. mit Acrobat Plus. Da die Wetterlage durchgehend infektionsfördernd war mußten wir die Fungizide möglichst Ihre Wirkungsdauer einhaltend verwenden. Das Versuchsfeld wurde ein weiters mal, am 27.6., mit Manex gespritzt. Es waren leichte Verbräunungen an einzelnen Stauden sichtbar. Die beiden folgenden Bilder zeigen fortgeschrittene Stadien der Krautfäule.

Am 6.7. wurde das Versuchsfeld mit Shirlan gespritzt, da man, eventuell aufgrund gebildeter Resistenz gegen den Manex-Wirkstoff Maneb, bei der letzten Behandlung der Ausbreitung des Erregers nicht entgegentreten konnte. Die letzte Behandlung vor der Proberodung wurde am 14.7. mit Shirlan durchgeführt. Im Spritzfenster hat keine Infektion stattgefunden. Es blieb wieder unbehandelt. Das Versuchsfeld spritzte ich am 18.7. mit Shirlan. Auf Grund des zu langen Abstandes in der Spritzfolge im Versuchsfeld konnte keine weitere Ausbreitung festgestellt werden. Bei der Proberodung am 23.7. waren jedoch bereits wieder klare Anzeichen von Krautfäule in Form von Flecken an Blättern und Stengel im Spritzfenster zu erkennen.
Ich kam zu folgenden Ergebnissen:
Ertrag des Feldes: 450dt/ha
Ertrag im Versuchsfeld: 410dt/ha
Ertrag im 1.Spritzfenster: 450dt/ha
Ertrag im 2.Spritzfenster: 400dt/ha
Ertrag im 3. Spritzfenster: 450dt/ha

Daraus konnte man folgende Bilanz errechnen:
Fungizidaufwand beim Feld: Tattoo, Acrobat Plus, Manex, Shirlan = 202 DM/ha
Fungizidaufwand beim Versuchsfeld: 3*Manex, 2*Shirlan = 161 DM/ha
Fungizidaufwand beim 1. Spritzfenster: Acrobat Plus, Manex, Shirlan = 131 DM/ha
Fungizidaufwand beim 2. Spritzfenster: Tattoo, Acrobat Plus, Shirlan = 177 DM/ha
Fungizidaufwand beim 3. Spritzfenster: Tattoo, Acrobat Plus, Shirlan = 177 DM/ha
Bei einem geschätzten Verkaufspreis von 13 DM/dt bedeutet das für die verschiedenen Strategien:
Versuchsfeld: -479 DM/ha
1.Spritzfenster: +71 DM/ha
2.Spritzfenster: -625 DM/ha
3. Spritzfenster: 25 DM/ha
Man sieht klar das sich die Strategie mit den billigeren Kontaktmitteln im Versuchsfeld nicht bezahlt gemacht hat. Auch die Behandlung beim 2. Spritzfenster wurde zu recht durchgeführt. Die Assimilationsfläche wurde in diesem Zeitraum durch den fehlenden Schutz offensichtlich zu stark destruiert. Die Manex-Spritzung hätte man sich jedoch sparen können.
Vorteile der Mulchsaat konnten auf diesem Schlag nicht festgestellt werden. Aber auch keine Nachteile. Ich konnte kein erhöhtes Quantum an grünen Kartoffeln zählen. Auch die Rodung dürfte auf diesem sandigen Boden kein Problem darstellen. Auch war in diesem Jahr die Erosion kein Thema. In dieser Gewanne regnete es kontinuierlich in nicht zu hohen Mengen.

Das zweite Feld wurde mit Karlena (Speisekartoffeln) angebaut. Die erste Spritzung erfolgte vor Staudenschluß am 9.6. mit Tattoo. Ich legte ein Spritzfenster an, welches am 24.6. bei der 2.Spritzung noch keine Krankheiten aufwies. Der Schlag wurde nun mir Acrobat Plus behandelt. Am 28.6. konnte die bereits ausgebrochene Dürrfleckenkrankheit (Alternaria solani) gleichermaßen im Spritzfenster wie auch auf dem gesamten Feld an einzelnen Stauden lokalisiert werden. Da wir bei dieser Infektion mit den bereits angewandten Fungiziden keinen Einfluß hatten, mußten wir sofort mit Manex (wegen dessen gegen diesen Pilz effektiven Wirkstoff Maneb) reagieren. Es wurde auch das Spritzfenster mit behandelt. Krautfäule konnte nicht entdeckt werden. Die nächste Manex-Spritzung war am 6.Juli. Das Spritzfenster wurde wieder angelegt. Bei der darauffolgenden Behandlung mit Shirlan am 14.7. war im Fenster verstärkt Krautfäule und auch Alternaria ausgebrochen. Deshalb spritzten wir es am selben Tag mit Manex.
Die Proberodung am 22.Juli ergab einen Ertrag im Spritzfenster von 300 dt/ha und 350dt/ha auf dem restlichen Feld.
Das ergibt bei einem Verkaufspreis von 15 DM/dt folgendes Ergebnis:
Fungizidaufwand Feld: Tattoo, Acrobat Plus, 2*Manex, Shirlan = 227 DM/ha
Aufwand Spritzfenster: 2*Manex = 50 DM/ha
Das bedeutet einen Unterschied von 573 DM zugunsten der aufwendigeren Strategie beim Feld. Die Acrobat Plus Spritzung hätte man sich ersparen können, da der Krautfäuledruck offensichtlich nicht so stark war wie vermutet.

Tricone Bit