Friday, December 14, 2007

Liebherr MaLi Trac



Liebherr MaLi 1


Mit dem Li-Trac weckte die MaLi Spezialfahrzeugbau GmbH auf der Agritechnica einiges Interesse. Firmenchef Markus Liebherr und sein Team wollen mit dem Systemfahrzeug in die Lücke stoßen, die Schlüter seit 1993 ließ. Wir haben schon beim Vorserienfahrzeug den Eindruck gewonnen, daß das klappen könnte.
Mächtig kommt er daher, der Li-Trac. Ein starker Sound entwickelt sich, wenn das Gaspedal Druck bekommt. Das hat seinen triftigen Grund: Im gutmütigen Jung-Bären schlummert ein tausendfach bewährter 6-Zylinder Turbo-Diesel mit einer Leistung von 220 kW (300 PS), der eigentlich für die Baumaschine konzipiert ist - und natürlich von Liebherr stammt. Und der hat darum ein besonderes Verhältnis zum (Hub-) Raum. Mit seinen fast zehn Litern besitzt er weitaus mehr Volumen als die meisten seiner Klassenkameraden. Der Vorteil, der daraus resultiert, ist nach Firmenchef Markus Liebherr, daß die Drehzahl nahezu keine Rolle spielt, wenn es um die Leistung geht. Auch das hohe Gewicht komme dem Rundlauf des Antriebsaggregates zugute, meint der Fachmann in Sachen Maschinenbau und Agrar.

Aber das ist natürlich nicht die einzige Besonderheit des "Malibär", wie er vom fast 20-köpfigen Entwicklungs- und Produktionsteam gern genannt wird. Daß der Bär immer wieder auftaucht, ist übrigens kein Zufall. MaLi sieht sich mit der Tracproduktion in einer Art Nachfolgesituation für den Schlüter-Trac. Spezielle Maschinen für spezielle Funktionen und spezielle Anwender - das ist auch in Heinrichsburg die Devise, wo der Li-Trac konstruiert und zur Zeit auch noch gebaut wird. Und nicht zuletzt ist die Geschichte des Li-Trac unmittelbar mit dem Namen Schlüter verknüpft. So war der erste Schritt, einen Liebherr-Motor in einen Schlüter einzubauen und sein Verhalten bei den landwirtschaftlichen Arbeiten zu testen. Das war Ende der 80er Jahre. Testfläche war genug vorhanden, hatte Liebherr doch bereits 1963 den Gutsbetrieb Heinrichsburg bei Eberhardzell übernommen. Nachdem dort die Tiere abeschafft worden waren, begann man, in den Stallgebäuden zu schrauben und zu experimentieren.


Liebherr MaLi 2


Seit 1994 in der Erprobung

Seit 1994 beschäftigen sich die MaLi-Leute nunmehr mit dem Projekt, das vor allem Gutsbesitzer, Lohnunternehmen und andere Kunden ansprechen soll, die eine große Leistung bei ihren Arbeiten benötigen. Die Einsatzuntergrenze liegt nach der Firmeneinschätzung bei 1.200 bis 1.400 Betriebsstunden, die jährlich zu bearbeitende Fläche sollte die 600 Hektar-Grenze deutlich überschreiten. Mittlerweile ist der Traktor in vielen Bereichen mit dem ursprünglichen Prototyp nicht mehr vergleichbar. Aus pragmatischen Gründen verzichtet man jetzt auf ein Übermaß an Elektronik und spektakuläre Filigran-High-Tech, um der Robustheit, Langlebigkeit und Funktionssicherheit genügend Rechnung zu tragen.

Vier Fahrzeuge des neuen Typs sind inzwischen fertiggestellt worden und befinden sich in der Erprobung auf verschiedenen Feldern. Man hofft, im Herbst die letzten Abstimmungen abgeschlossen zu haben und das Fahrzeug in den Verkauf gehen zu lassen. Zum Frühjahr soll es spätestens so weit sein. In der ersten Serie sind 20 Fahrzeuge geplant. Diese werden sicherlich nicht in den bisherigen Montageräumen entstehen können, Markus Liebherr befindet sich auf der Suche nach geeigneten Kapazitäten. "Nach wie vor ist der Standort Schönebeck für uns interessant. Sollte diese Variante jedoch nicht möglich sein, werden wir auch etwas Geeignetes im süddeutschen Raum finden,” kommentiert Liebherr seine Anstrengungen, die LTS in sein Konzept einzubeziehen.

Technik-Schmankerl

Allerdings soll ausschließlich die Produktion ausgelagert werden, die gesamte Entwicklung und der Versuch werden in Eberhardzell, rund 60 Kilometer südlich Ulms gelegen, bleiben. Von dort aus soll auch die Teilebelieferung der Kunden organisiert werden. Hier bekennt Liebherr, im gleichen Dilemma zu stecken, wie viele andere Spezialanbieter auch: Um eine Händlerorganisation gezielt einzuschalten ist der Kapitalaufwand zu hoch - für den Lieferanten und Kunden. Also müssen Vertrieb und der qualifizierte Kundendienst zentral organisiert werden - bei einer zunächst ja noch überschaubaren Population sollte dies allerdings dann auch kein elementares Problem darstellen. Nicht nur sein standardmäßig verchromtes Auspuffrohr deutet übrigens darauf hin, daß man es nicht mit einem x-beliebigen Traktor der höheren Leistungsklasse zu tun hat, sondern mit einem Fahrzeug, das besonders sein will - in jeder Beziehung. Die offene Rahmenbauweise erlaubt noch Leistungssteigerungen, auch geringere kW-Ausstattungen sind möglich, ohne daß größere konstruktive Veränderungen vorzunehmen wären. Besonderer Wert wurde auf den Komfort für den Fahrer gelegt. Bei geschlossener Kabine - die Klimaanlage ist immer dabei - entwickelt sich unter Volllastbetrieb ein Geräuschpegel von 72 dBA, ein guter Wert für diese Klasse. Die Anmutung der Kabine wird bis zur Serie noch verbessert. Die hydropneumatisch gefederte Vorderachse ist ebenso Standard wie das 18/9 Full-Powershift-Getriebe von Funk. Obwohl hier nochmals eine feinere Abstimmung vorgenommen werden soll, entsteht auch jetzt schon ein bäriges Fahrgefühl. Bis zu 50 km/h schnell kann er dann werden, ein Superkriechgang ist auch verfügbar. Auch wenn’s richtig zur Sache geht, zeigt er Kondition: Seine 1.000 Liter Kraftstofftank bei einem maximalen Verbrauch von 40 Liter/h ermöglichen Power rund um die Uhr. Die Rückfahreinrichtung ist einfach einzustellen und ebenfalls im Lieferumfang enthalten. Bei einer statischen Gewichtsverteilung von 57 % auf der Vorder- und 43 % auf der Hinterachse sind gleichmäßiger Bodendruck und Zugleistung gesichert.

Besonderes hat nun einmal einen Preis: Mit Wettbewerbern aus großen Traktorenfabriken kann und will der Li-Trac nicht konkurrieren. Wer den Spezialistenstatus so richtig auskosten will, muß dafür ordentlich in die Tasche greifen. Rund 1.000 DM pro PS werden es wohl sein - die alte Faustzahl gewinnt bei diesem Haustier wieder ihre Bedeutung. Aber dafür - man mag es ja kaum zugeben - existiert sogar so etwas wie ein Spaßfaktor, wenn man selber am Volant sitzt.

Bleibt abzuwarten, was die Praxis dazu sagt, wenn die ersten zwanzig Jungbären ihre Höhle bald verlassen.



Liebherr MaLi 3


-Technische Daten

Motor
Liebherr 6-Zylinder Turbo Intercooler Dieselmotor D926 TI-E
Leistung 300 PS (220 kW)
Hubraum 9960 ccm
Drehmoment 1200 Nm
Drehmomentenanstieg 33 %
Drehzahlabfall 33 %
Konstantleistung von 1800 bis 2100 U/min

Getriebe
Funk 18+9 Volllastschaltgetriebe
Vollhydrostat von 0-12 km/h²
Geschwindigkeiten 30/40/50 km/h¹

Zapfwelle
Heckzapfwelle 1000 U/min
Frontzapfwelle² 1000 U/min
Zapfwellenkupplung integriert

Fahrgestell
Trac-Technik Vollrahmen-Modulbauweise
Gewichtsverteilung vorne 60 %, hinten 40 %
Vorderachse
hydropneumatisch gefedert, sperrbar mit automatischem Niveauausgleichung
10° Pendelung, 100 %-Sperre automatisch
Hinterachse
100 % Sperre druckluftbetätigt
Reifenregeldruckanlage²

Bremse
Vorderachse langsamlaufende nasse Lamellenbremse, fremdkraftbetätigt
Hinterachse Scheibenbremse auf Kardanwelle wirkend
Druckluftanlage

Lenkung
Hydraulische Loadsensing Lenkung

Anhängekupplung
Schnellhöhenverstellbare fernbediente Anhängekupplung
Zugpendel²
Französische Hitch², Stützlast 3000 kg

Kraftheber
EHR-D, elektronische Schwingungstilgung
Kat. 3 und 4, vorne 2 und 3
Hubkraft hinten max. 10 t, vorne max. 4,5 t

Arbeitshydraulik
Mehrkreis-Arbeitshydraulik, Load-Sensing
95 l/min Fördermenge, 200 bar Betriebsdruck
5 Zusatzsteuergeräte mit Mengenregelung
Druckloser Rücklauf vorne und hinten

Kabine
Komfortkippkabine hydraulisch gedämpft unter 72 db(A)
Luftgefederter Komfortsitz
Klimaanlage, Kühlbox, Dachluke
Drehbarer Fahrerstand, Telefonanschluß

Maße und Gewichte
Bereifung 580/70R42 bis max. 1050
Radstand 3000 mm
Breite 2550, 2730, 2980 mm
Spur 2146 mm
Höhe 3500 mm
Bodenfreiheit ca. 550 mm
Wendekreis 14,9 m
Leergewicht 10300 kg
Zul. Gesamtgewicht 15000 kg
Zul. Achslast vorne 8000 kg
Zul. Achslast hinten 9000 kg
Kraftstofftank 800 l
Hydrauliköl im Tank 65 l
Entnehmbare Ölmenge 40 l
800-Std.-Ölwartung

Tricone Bit